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Die Kräuterheilkunde Es gibt Tausende von heilenden Kräutern

 

Gott schläft im Stein,

atmet in der Pflanze,

träumt im Tier

und erwacht im Menschen.

 

Ibn Arabi (1165 -1240), Sufi

 

Die Wurzeln der Kräuterheilkunde reichen weit zurück in die Entwicklung der Tier- und Menschenwelt auf diesem Planeten. Vieles davon liegt im Dunkeln, da wir nicht alle Gegebenheiten kennen. Insbesondere die Frühgeschichte mit ihren matriarchalen Strukturen wird aus unserer heutigen Sicht immer wieder verfremdet und umgedeutet. In ihren Ursprüngen findet sich die Kräuter-heilkunde in allen Kulturen der Welt, doch nur einige waren in der Lage, ihre Erfahrungen und ihr Wissen aufzuzeichnen und schriftlich an nachkommende Generationen weiter-zugeben. Bereits auf Tontafeln und Wand-malereien finden sich Aufzeichnungen über heilende Kräuter wieder. Zahlreiche Papyri-zeugen von den medizinischen Kenntnissen der Ägypter. Interessante Funde mit überlieferten Rezepturen finden sich in den Keilschrifttexten der Sumerer aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. Sie enthalten Auflistungen hunderter Ingredienzien, davon über 200 Namen von Pflanzen, die für Heilzwecke verwendet wurden. In der Medizin der Ägypter und Mesopotamier existierte ein nüchterner wissenschaftlicher Therapieansatz und ein an der Magie, dem Götterglauben und der Furcht vor Dämonen orientierter Heilungsweg nebeneinander. Vom Wissen aus Mesopotamien und dem alten Ägypten profitierten fast ein Jahrtausend später die Griechen und nachfolgend die Römer. Lange Zeit wurde nicht unterschieden zwischen Nahrungsmitteln, die für das tägliche Überleben sorgten, und Heilkräutern, die Beschwerden lindern konnten. Naturvölker verfügen noch heute über Instinkte, Pflanzen und Kräuter zu sich zu nehmen, die ihrem Körper und dem allgemeinen Wohlbefinden dienlich sind. In allen Kulturen und Zeitaltern waren es vor allem die Frauen, die sich mit Pflanzen und Kräutern beschäftigten. Ihr reiches, oft geheimes Wissen um Kräuter, Massagen und Tinkturen sowie deren Heil- und Giftwirkungen charakterisierte diese weisen Frauen. Die Frau galt als Hüterin des Kräuterwissens, ihre Kenntnisse wurden in erster Linie mündlich überliefert, im direkten Erleben vermittelt und durch eigenes Erforschen und Anwenden weiterentwickelt. Die Großmütter lehrten die Mütter, die Mütter gaben ihr Wissen an die Töchter weiter. So blieb bewahrt, wo und zu welchen Tagesstunden, Mondphasen und Jahreszeiten die heilkräftigsten Kräuter zu pflücken, die wirksamsten Wurzeln auszugraben, welche Arzneien daraus herzustellen,welche Salben zu kochen und bei welchen Krankheiten sie einzusetzen waren. Auch der griechische Arzt Hippokrates von Kós (etwa 460 bis 370 v. Chr.) profitierte vom Wissen heilkundiger Frauen und ließ dieses in seine medizinischen Werke einfließen. Einer der bedeutendsten Philosophen und Ärzte der Antike und der wohl herausragendste Kenner der Pflanzen und der Kräuterheilkunde ist der griechische Arzt Pedanios Dioskurides Anazarbeus (1. Jhd. n. Chr.). Er beschreibt in seiner Materia Medica etwa 800 Arzneipflanzen des Mittelmeerraumes und knapp 5000 medizinische Anwendungen. Seine nach medizinischer Wirksamkeit systematisierten Werke widmen sich auch der Bereitung von Aromata, Ölen und der Herstellung von Salben. Bis ins 19. Jahrhundert dienten seine Werke als Grundlage der Heilkunst und als Vorlage für spätere Gelehrte. Zur selben Zeit lebte Gaius Plinius Secundus (Plinius der Ältere, ca. 23 n. Chr. bis 79 n. Chr.), der auch die Pflanzenh-eilkunde und Ritualmagie der Germanen und Kelten erwähnt, welche selbst kaum schriftliche Zeugnisse hinterließen. Die heilkundigen Druiden gaben ihr Wissen nur mündlich in Form von   Versen weiter. Wahres Wissen trug man im Herzen, das man sich in 20jähriger Lehrzeit in den damaligen Urwäldern Europas aneignete. Die Pflanzen und Kräuter selbst waren die Lehrmeister, denn die Druiden verstanden es, Geist und Seele der Pflanze in ihrer Erscheinungsform, ihrer Signatur zu erkennen und entsprechend der Signaturenlehre in der Heilkunde einzusetzen. Die Art und Weise der Kräuterzubereitung bei diesen Waldvölkern, als Teeaufgüsse, Kräuter-Bäder und -Auflagen, prägt noch immer unseren Kulturkreis. Auch die Herstellung von Salben gehört hierzu, wenn auch heute selten im altehrwürdigen Kupferkessel auf der Basis von Schweineschmalz. In der germanischen und keltischen Tradition bekommt die Frau die Ehre, die ihr als Heilerin, Seherin, Kräuterkundige, Hexe oder Zauberin gebührt. Der römische Historiker Tacitus schreibt über die Rolle der Frau: Die Germanen meinen sogar, daß es bei den Weibern etwas Heiliges und Prophetisches gibt, und die verschmähen weder ihre Ratschläge noch vernachlässigen sie die Antworten (Tacitus, Germania 8). Eine solche Prophetin war Weleda, die im im 1. Jhd. lebte. Sie gehörte zu den Hagedisen, war Heilerin und Priesterin. Neben dem Einfluß der antiken Mediziner gab es maßgebliche Einflüsse auch aus dem persischen und indischen Raum, denn die Kräuterkunde erweiterte sich auch durch den regen Handel der Araber um viele wichtige Drogen. Die immer umfangreicher werdenden Rezepturen führten dann zu einer Trennung des Arzt- und Apothekerberufes. In der Ärzteschule von Salerno, einer der ersten Universitäten, die ihre Blütezeit im 10. - 13. Jhd. hatte, waren auch Frauen zum Studium der Medizin zugelassen. Trotula, die berühmteste unter ihnen, galt als Kapazität auf dem Gebiet der Frauenheilkunde und der Chirurgie. Ihre Empfehlungen, die auch die Rezepturen von Kräuterweibern berücksichtigten, beschreiben nicht nur heilkundliche Wirkungen, sondern dienen auch der Schönheitspflege. In unseren Breiten waren es bis dahin in erster Linie die Klöster und ihre Geistlichen, die sich offiziell dem Wissen um die Kräuterheilkunde annahmen. Angehörige der Benediktinerorden brachten aus südlichen Gefilden Heil- und Gewürzpflanzen nach Mittel- europa und kultivierten sie in ihren Klostergärten. Dies war sicherlich nicht immer sinnvoll, denn viele der ursprünglich mediterranen Pflanzen wie Salbei oder Lavendel konnten sich nördlich der Alpen nur schwer halten und auch nicht ihre volle Kraft entfalten, waren sie doch eine viel kräftigere Sonne gewöhnt. Aristoteles Schüler Theophrastos (372 - 287 v. Chr.) wußte schon damals, daß aber jedes Gewächs seinen eigenen Boden liebt und seine eigene Luftmischung, ist daraus klar (…), daß es Gewächse gibt, die an verschiedenen Orten entweder gar nicht fortkommen, oder, wenn sie gepflanzt werden, nicht fortwachsen, keine Früchte tragen und im ganzen schlecht geraten. Die später einsetzende Enteignung der Klöster durch weltliche Herrscher brachte die medizinische Versorgung durch die Klöster in Deutschland zum Erliegen. Viel Wissen um die Klostermedizin gilt als verschollen, vernichtet oder liegt vergessen in dunklen Klosterkellern, dennoch bestimmt dieses Wissen die Pflanzenheilkunde noch heute maßgeblich. Eine der herausragendsten Persönlichkeiten des Mittelalters war die Mystikerin und Klostervorsteherin Hildegard von Bingen (1098 - 1179). Ihre Ausführungen und Betrachtungen über die Natur und den Menschen sind bis heute von großer Bedeutung. Sie erfuhr ihr ren Aufnahme vieler Wirkstoffe führt; bereits geringe Wirkstoffmengen führen dann zu deutlichen Reaktionen. Saponindrogen wirken vielfältig, vor allem aber auswurffördernd, schleimlösend, antibakteriell und antimykotisch. Einigen Saponindrogen wird eine harntreibende Wirkung zugesprochen, so daß sie sich für Frühjahrskuren, bei Hautunreinheiten, Ödemen und rheuma typische Beschwerden eignen. Steroid sapogenine haben eine Ähnlichkeit mit den Steroidhormonen des menschlichen Kör - pers und zeigen daher bei der Anwendung manchmal eine hormonelle Aktivität. Vitamine, Mineralien und Spurenelemente Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente spielen eine wichtige Rolle beim Aufbau von Knochen, Zähnen, Hormonen und Blutzellen, bei der Erhaltung der Gewebespannung, der Übertragung von Reizen auf Nervenzellen oder der Aktivierung von Enzymen im Stoffwechsel. Zu den Mineralstoffen gehören Kalzium, Kalium, Natrium und Chlorid. Spurenelemente, die nur in sehr geringen Mengen vorkommen, sind zum Beispiel Eisen, Kupfer oder Zink. Vitamine sind lebenswichtige Substanzen für den menschlichen Gesund! Kochen mit frischen KräuternStoffwechsel, die unser Körper aber nicht selbst herstellen kann, so daß sie mit der Nahrung aufgenommen wer-den müssen. Die Vitamine A, C und E schützen den Kör-per vor Schäden durch freie Ra-dikale. Die Art der Vitamine und der Vitamingehalt in Pflan-zen sind sehr unterschiedlich. Ist ein bestimmtes Vitamin der Hauptwirkstoff einer Heilpfl-pflanze, dann kann die Droge gezielt als Vitaminlieferant ein-gesetzt werden.